Reisebericht vom Pfad der Selbsterkenntnis | Kapitel 2

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Heilung – Ajasmo, die Heilige Quelle

Auf dem Rückweg von der heiligen Stadt Studa Grada zur RawVega Berghütte führte uns Sofia zu einer Quelle. Die heilige Quelle Ajasmo ist der dritte Punkt auf dem magischen Dreieck: Sitovo – Studa Grada – Ajasmo. Bereits den Römern war sie als Heilquelle bekannt. Als deren Pferde das Wasser tranken, heilten ihre Wunden und Krankheiten. Besonders für die Haut und die Augen soll die Quelle wirksam sein. Im August gibt es dort ein grosses jährliches Treffen zum Fest der Heiligen Maria.
Ich habe mich gefreut, endlich mal wieder reines Bergquellwasser zu trinken und mich frisch zu machen von dem heutigen Ausflug. Aber ich sollte noch viel mehr erleben.
Das Wasser schmeckte wirklich sehr gut und gab mir erstaunlich viel Energie, ganz ohne die Zusätze eines Energy Drinks.
Man hört ja viel von Wunderheilungen und Quellen, die alles mögliche bewirken sollen. Daher war ich natürlich skeptisch. Doch Sofia hatte sich am vorherigen Tag mit einem Strauch am Auge verletzt. Sie hatte Schmerzen und das Auge lief unentwegt und auch in der Nacht konnte sie deshalb kaum schlafen. Sie wusch sich das Auge und trank aus der heiligen Quelle von Ajasmo. Nach nur etwa zwei bis drei Stunden war alles wieder in Ordnung, keine Schmerzen, kein Tränen mehr. Das war schon sehr beeindruckend. Für mich bekam diese einzigartige Quelle und dieser Ort dadurch eine kraftvolle und nachhaltige Bedeutung. Was sind wir doch in der Beton-Zivilisation für arme Geschöpfe, dass wir keinen Zugang zu einem reinen Quellwasser wie diesem mehr haben ...
Wir füllten unsere Flaschen auf, damit wir für den Abend in der Hütte auch noch etwas vom heiligen Quellwasser hatten und machten uns frisch gestärkt auf den Rückweg.

Unsere Speisekarte: lecker war's!

Bei soviel Bewegung an frischer Luft, so hatten wir gedacht, brauchen wir auch ordentlich viel zu Essen. Und wir haben uns natürlich insgeheim gefragt, ob da die vegane Rohkost aureichend sättigend sein würde. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe an Rohkostprodukten, die in Bulgarien hergestellt werden. Sofia hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Rohkostprodukte aus iher Heimat in ihrem Shop auf www.rawvega.de anzubieten. So bekamen wir die CultuRawCracker, die, gefertigt aus angekeimten Saaten, eine sehr hohen Vitalstoffgehalt haben. Dadurch haben sie eine Wirkung wie das Lembas-Brot der Elben, man wird schon durch den Verzehr kleiner Mengen satt und das hält recht lange an.
Rohkostriegel aus der Region von Go4Raw und Carobcreme waren für die süßen Gaumenfreuden da. Und natürlich gab es viel frisches Obst (Kirschen, Weintrauben, Äpfel etc.), Salat, Tomaten, Paprika und Samen wie schwarzer Sesam und gekeimter Buchweizen. Morgens und überall, wo wir sie sahen, aßen wir Wildkräuter, Moose und Beeren.
Aber von einem Phänomen waren wir sehr überrascht: Je großer unsere Anstrengungen waren, je mehr wir gewandert sind, desto weniger Nahrung brauchten wir.

Sonnenwendfeuer – Kraft schöpfen

Vier Sonnenereignisse und davon ausgehend vier Jahreszeiten prägen unser Erleben der Natur in den nördlichen Breitengraden. Bedeutung und Charakter der vier Jahreszeiten werden als Erd- oder Vollmondfeste gefeiert. Schon einst die Germanen und Kelten, feierten Winter- und Sommersonnenwende, Tag- und Nachtgleichen zu Frühlings- und Herbstbeginn, sowie die Mond- und Erdfeste. So gab es ca. alle sechs Wochen den Anlass für ein Fest. Das Bewusstsein und die Wahrnehmung werden angeregt, die kosmische und jahreszeitliche Einbindung unseres Lebens aufs Neue als fortlaufend wiederkehrenden Jahreskreis sinnvoll zu erleben, zu verstehen und zu genießen.
So romatisch und feierlich wie das auch klingt – vor dem Feiern muss hart gearbeitet werden, denn ohne Brennholz auch kein Sonnenwendfeuer. Am späten Nachmittag des 21. Junis, dem Tag der Sommersonnenwende zeigte uns Großvater Peny, wo das Brennholz gelagert wurde, gab uns zwei Äxte und dann ging die Selbstversorgung los. Was soll ich sagen ... es hat uns viel Spaß gemacht und wir konnten die Energie der Heilquelle Ajasmo gleich umsetzen und nutzen.
Während Steffi und ich das Holz hackten, bereiteten Gilla und Sofia das rohköstliche Abendmahl vor, das wir uns alle redlich verdient hatten. Und ich glaube die Bilder vom Abendtisch sprechen für sich.

Nach dem Essen entzündeten wir das Lagerfeuer vor. Nicht so einfach, wie es aussieht ...  Dann hatten wir es geschafft und erfreuten uns an dem kleinen Feuer. Es gab an diesem Abend kein besonderes Programm zur Sonnenwende, so wir setzten uns einfach um das Feuer herum. Am Abend zuvor rief ich dazu auf, dass sich jeder, der möchte etwas ausdenken konnte, ein Gedicht, ein Lied oder einen anderen schönen Beitrag für diesen besonderen Abend am Feuer. So erzählte Gilla eine Geschichte vom Regenmacher und Peny und Sofia sangen eine uralte, wundschöne bulgarische Volksweise.
Die Flammen hatten das Holz schon recht weit verzehrt, als nur noch Sofia und ich mit dem Feuer im Mondschein in tiefgründige Gespräche versunken waren. Dieser Tag ist wahrlich eine Reise in die Urzeit unserer Seele gewesen ...

Abschied mit den fünf Tibetern

Am Morgen nach der Sommersonnenwende weckt uns die Sommersonne. Sie schien mir mehr Strahlkraft zu haben, als in den Tagen zuvor. Heute nahmen wir Abschied von Großvater Peny und der RawVega-Hütte, denn unsere Reise ging nun weiter zu anderen Orten. Zum Abschied führte Peny mit uns noch die Fünf Tibeter durch. Die Fünf Tibeter sind körperliche Übungen für Körper und Geist. Unglaublich, aber Peny konnte sich mit 70 Jahren noch besser verbiegen als ich ...
Nun hatten wir uns aber unser Frühstück reichlich verdient. Ach nein, da war ja noch was. Genau: Wildkräuter ernten ... Mittlerweile schon gut geübt pflückten wir gemeinsam die kraftvollen Kräuter, während vor der Hütte die anderen Speisen aufgetischt wurden.
Dann aber brachen wir auf, die Reise ging mit dem Jeep weiter.

Ankommen in der Stille

Die Reise sollte uns heute ins weiter ins berühmte Rila Kloster führen, wo wir auch übernachten sollten. Die stundenlange Fahrt mit dem Jeep war natürlich nicht so schön wie eine Wanderung im Wald, doch da wir uns alle gut verstanden, haben wir uns unsere gute Laune nicht verderben lassen.
Das Rila Kloster ist das erste Kloster Bulgariens und stammt aus dem 9. Jahrhundert. Es liegt auf einer Höhe von 1147m in einem Tal des Rila Gebirges im südwestlichen Bulgarien. Es ist ein Wahrzeichen des Landes. Die bewaldeten noch etwas niedrigeren Berge bilden einen erhabenen Rahmen um diesen Ort der Stille. Zwar ist das Kloster eine Touristenattraktion, doch ab 20 Uhr werden die Tore geschlossen und niemand kommt mehr hinein oder heraus. Ruhe und Einkehr ist das Gebot der Stunde. Eine weitere Station unserer Reise, an der wir in uns selbst ankommen. Jeder unserer Gruppe hat für sich einen Platz gefunden, sei es auf einem Stein, einer Bank oder im Bett. Die Stille, die sich wie ein Samtteppich im Kloster ausbreitete, war nur bestimmt durch ein paar Schritte hier und da und dem Rauschen des Bergbachs hinter den Klostermauern.

Am Anfang war das Licht

In den für ein Kloster und für ein Nachtlager in den Bergen sehr komfortable Unterkunft mit Bett, elektrischem Licht, Dusche, Waschbecken und Toilette, haben wir alle ausgezeichnet geschlafen. Wir wachten schon recht früh auf, da wir einerseits früh zu Bett gegangen waren und andererseits den Gottesdienst in der Kirche miterleben wollten. Es war schon recht hell draussen, die Sonne hatte schon den nahegelegenen Gipfel des Berges Maljowiza erklommen, der auf das Kloster herabblickt.
Wir traten in die Kirche ein und durch die Dunkelheit des im byzantinischen Stil errichteten Kirchenschiffs erklangen tiefe gregorianische Gesänge und die goldenen Strahlen der Morgenssonne drangen durch die hohen Kuppelfenster. Dieser Anblick war sehr berührend und erhebend zugleich. Diese Andacht, Demut und die sonnenerleuchte goldene Pracht der Klosterkirche brachte mich in meine Mitte, und das als Atheist ...
Es war verboten, Fotos zu machen, aber ich MUSSTE und konnte nicht anders, so habe ich alles riskiert, um Euch diese wunderbaren Bilder zeigen zu können. Selbst den Zorn des Aufpassers ...


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