Nach dem Essen von Roten Beete

Nach dem Verzerr von Roter Beete haben einige einen rötlich verfärbten Urin und Stuhlgang. Das ist harmlos.
Der Farbstoff Betanin färbt die Rote Beete rot. “Betaninreste im Urin und Stuhl färben diese bei hoher Verzehrmenge leicht rötlich – eine völlig ungefährliche Sache, die jedoch verstärkt auftritt wenn Ungereimtheiten im Eisenstoffwechsel bestehen.” [2]

 

Im Labor
Wird Rote Beete im Labor mit Salzsäure (Magensäure besteht nüchtern etwa aus 0,5-prozentiger Salzsäure) vermischt, verliert es nicht wie alle sonstigen Lebensmittel seine Farbe, sondern wird zu einem bräunlich, mattem Gemisch. Die Verfärbung kommt zu Stande, weil der enthaltene rote Farbstoff Betanin weitestgehend stabil bleibt. [1]
Diese Eigenschaft wird genutzt und deshalb fungieren Betanin-Lösungen auch als ph-Indikator: Violette Lösungen deuten auf ein stark saures Milieu hin. Rote Lösungen kennzeichnen ein Milieu ab einem ph–Wert von 4. Stark basische Lösungen färben sich gelblich-braun. [2] Versuche und veranschaulichende Bilder dazu findet ihr hier: Link.

 

Der rote Farbstoff Betanin
Betanin hat eine starke antioxidative Eigenschaft: Unter dem Einfluss von Betanin kommt es zu einer verringerten Oxidation von LDL (Lipoprotein niederer Dichte = Transportvehikel für die im Blutplasma wasserunlöslichen Substanzen wie Cholesterin, Cholesterinester, Triglyceride, Fettsäuren und Phospholipide sowie von den fettlöslichen Vitaminen Vitamin E und Vitamin A).
Auch den Abbau von Häm (eisenhaltiger Blutfarbstoff) vermag Betanin zu reduzieren.
Da Betanin sehr anfällig auf Angriffe freier Radikale ist, hat Mutter Natur Rote Beete mitunter seinen hohen Gehalt an Vitamin C zum Schutz mitgegeben. Dafür und für ihren hohen Anteil an B-Vitaminen ist sie bekannt. [2]

 

Rote Beete Saft
Bitte beachtet beim Rote Beete Saft Trinken (Säfte überschütten unseren Körper mit einem Schwall von Nährstoffen, die dieser so schnell nicht verarbeiten kann), dass die Rote Beete einen hohen Gehalt an Oxalsäure hat. Oxalsäure erschwert die Aufnahme von Eisen im Darm und kann auch das Risiko auf Nierensteine erhöhen. Oxalsäure führt zudem zur Verarmung an Calcium. [2]

 

Frisch essen
Betanin hat eine antioxidative und entzündungshemmende Wirkung, wenn Rote Beete frisch (ohne Einfluss von Hitze) zubereitet wird. Beim Erhitzen von Roter Beete gehen signifikante Mengen von Betanin verloren. [2]
Die Rote Beete hat einen “hohe Nitratgehalt, der für [eine] Leistungssteigerung verantwortlich ist. Nitrat wird im Körper zu Stickstoff umgewandelt, der wiederum die Blutgefäße erweitert. Somit senkt sich der Blutdruck und die allgemeine Durchblutung wird gefördert. […] Ähnlich wie bei […] anderen nitrathaltigen Gemüsesorten, sollte auch die Rote Beete [wenn überhaupt] nur einmal erhitzt werden. Nitrat wird im Körper zu circa 25 % in Nitrit umgewandelt, welches unter Umständen Krebserkrankungen fördern kann. Das mehrfache Erhitzen unterstützt die Nitrit-Bildung zusätzlich. So gilt bei der Roten Beete der Leitspruch: Viel mehr ist NICHT viel besser.” [3]
Tragischerweise wird in vielen Supermärkten ausschließlich vor gekochte oder konservierte Rote Beete verkauft. Wenn diese dann in einem Gericht verarbeitet wird und dann wiederholt erhitzt wird…

 

Wie kommt Betanin in den Urin?
Urin besteht aus Bestandteilen des Bluts. Der Urin wird aus dem Blut sozusagen abgepresst. Die Niere produziert täglich 180 Liter sogenannten Primärharn, allerdings werden nur 1 % davon also ungefähr 1.8 Liter ausgeschieden. Denn in der Niere gibt es nicht nur eine Ausscheidefunktion sondern auch eine Rückresorption. Das ist wichtig, damit wir wertvolle Mineralien und Flüssigkeit nicht verlieren.
Der Farbstoff Betanin aus der Rote Beete ist chemisch gesehen ein Glykosin, ein Zuckermolekül mit einem organischen Rest verbunden über eine Alkoholgruppe. Das Glykosin ist sehr klein und kann daher vom Darm ins Blut gelangen. Aus dem Blut wird es über die Niere dann ausgepresst und landet im Urin, weil es von der Niere nicht wieder resorbiert/aufgenommen wird. Daher färbt sich der Urin rot. Auch der Stuhl kann die Farbe ändern, wenn man Rote Beete ist, weil ja auch im Stuhl noch Betanin vorhanden ist. Ob das Blut auch röter wird, ist noch zu klären. Das Betanin ist im Blut wahrscheinlich viel zu stark verdünnt, um es stärker rot zu färben. [1]
“Die Absorption und Verwertung von Betanin findet sehr unterschiedlich statt. Untersuchungen aus den Vereinigten Staaten offerieren, dass es offensichtlich so etwas wie einen „Betanin-Responder“ gibt, also Personen bei denen Aufnahme und Verwertung so gut ablaufen, dass seine antioxidativen Eigenschaften voll zu tragen kommen [und der Farbstoff quasi verloren geht]. Der Anteil der amerikanischen Bevölkerung wird mit 10-15 % angegeben. Für die deutsche Bevölkerung ist mir leider keine vergleichende Studie bekannt. Höchststände an Betanin im Blut werden 2-4 Stunden nach der Verabreichung festgestellt.” [2]
Somit können 85-90 % der Amerikanischen Bevölkerung den Farbstoff Betanin der Roten Beete nicht verstoffwechseln. Bei diesen Leuten wird also der Urin lila und der Stuhlgang rot, weil das Betanin wieder genauso ausgeschieden wird, wie es hineinwandert. [1]

 

Rote Beete als Magensäure Test
Einige meinen ihre Magensäure zu testen indem sie Rote Beete zu sich nehmen. Färbt sich Urin oder Stuhlgang rot, dann soll das eindeutig das Zeichen für zu wenig Magensäure sein. Die Magensäure ist unter anderem dazu da Parasiten abzutöten, haben wir zu wenig davon, ist Tür und Tor offen für allerlei Krankheiten.
Ob dieser Test wirklich eine Aussagekraft bzgl. der stärke der Magensäure hat, kann ich noch nicht nachvollziehen, da wie oben beschrieben Rote Beete in Versuchen in Salzsäure stabil bleibt. Über weitere Hinweise zu diesem Thema freue ich mich.

 

Rote Beete zum “Entgiften”
Rote Beete unterstützt die Biotransformation (“Entgiftung”). “Biotransformation beschreibt den Vorgang im Stoffwechsel, bei dem über chemische Prozesse nicht ausscheidbare Stoffe in ausscheidbare Stoffe umgewandelt werden. Nötig ist dies bei allen Substanzen, die wir nicht direkt über den Harn oder den Stuhl ausscheiden können. Eine Ansammlung (Akkumulation) derartiger Substanzen im Körper stellt eine hohe Belastung dar und kann sogar zum Tod führen. Betanin unterstützt hier besonders Phase 2 dieses Vorgangs, bei welchem die Wasserlöslichkeit nicht ausscheidbarer Stoffe stark erhöht wird oder bei dem diese weiter entgiftet werden, bis eine Ausscheidung über die Nieren, die Atmung oder den Schweiß möglich ist. Auch hierbei spielt der Einfluss von Betanin auf Glutahion und ein Enzym mit dem Namen Glutahion-S-Transferase eine Rolle.” [2]

 

Quellen
[1] Warum färbt sich der Urin bei bestimmten Lebensmitteln (z.B. Rote Bete)?
[2] „Bio-Doping“ – Leistungssteigerung mit roten Beeten?
[3] Die Rote Beete – eine Rübe als medizinische Wunderwaffe?

Warm, satt und glücklich: Rohkost im Winter

„Etwas Warmes braucht der Mensch!“, sagt man. Doch Möhren, Äpfel und Salat? Das wärmt doch nicht und satt wird man davon wohl kaum. Erfriert man also mit Rohkost im Winter? Die Antwort ist einfach: nein. Denn die Temperatur des Essens hat rein gar nichts mit der Körpertemperatur zu tun. Allein die in der Nahrung enthaltene biochemische Energie wird über den Stoffwechsel in warme Hände und Füße umgewandelt. Ob diese Energie kalt oder warm zugeführt wird, spielt dabei keine Rolle. Die gespeicherte Sonnenenergie wird über die ATP1-Spaltung zu Körperwärme. Gekochtes, Milchprodukte, Getreide, Fleisch usw. im Körper zu verarbeiten, verbraucht sogar viel Energie. Denn es findet durch den Verzehr von erhitztem Eiweiß, ganz gleich, ob tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, eine Immunreaktion mit Anstieg der Körpertemperatur statt. Die durch das Erhitzen neu entstandenen und denaturierten Stoffe sind für diese Verdauungsleukozytose, also für die Vermehrung der weißen Blutkörperchen = Immunreaktion, verantwortlich. Denn auf diese neuen Substanzen im Essen hat sich das Immunsystem evolutionär nicht angepasst. Bei Rohkost tritt dieses Phänomen nicht auf. Wer also Gekochtes ist, muss um Energieverlust fürchten! So ist Rohkost im Winter eine wohltuende, energiespendende Angelegenheit.

Lebendiger Speiseplan

 

Als wärmendes Gemüse können Sie Wurzelgemüse wie Süßkartoffeln, Möhren, Sellerie, Rote Beete und Kohl essen. Blattgrün, wie Feldsalat, Spinat, besser noch: winterliche Wildkräuter2 wie Moose3, Winterportulak, Nelkenwurz, Vogelmiere, Gundermann, Klee, Süßgras, Brombeerblätter, Gold- und Taubnessel sättigen und liefern enorm viel Eiweiß und Mineralstoffe. Bewährt sind Salate mit zweierlei Gemüsen, solche, die über der Erde wachsen wie Blattgrün, Kohlrabi, Gurken usw. und „unterirdische“ Sorten wie Möhren, Sellerie und Topinambur.

Nüsse, über Nacht eingeweicht, sind sättigend und gehaltvoll (keine Angst: Fett macht nicht fett!4), dickflüssig gelöffelte grüne Smoothies mit Wildkräutern, Karottengrün, Spinat, Mangold und etwas Äpfel oder Birnen sind ein wunderbarer Alternativpudding.
Sprossen, Weizen-, Gersten- und Kamutgrassäfte sind die besten Energie- und Nährstofflieferanten. Sie sind pure Sonnenenergie und helfen, die süßen Gelüste abzulegen – und zwar ohne das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen.
Mit den wärmenden Gewürzen Zimt, Ingwer, Chili, Pfeffer, Muskatnuss, Vanille und Kardamon verzaubern Sie Ihre Salate, Smoothies und liebe Mitmenschen in der Winterzeit.

Fermentierte Lebensmittel wie veganer Nusskäse, Gedörrtes wie Rohkost-Brote und -Kräcker geben viel Wärme und vermindern Heißhunger auf Milchprodukte und Getreidegerichte. Eine auf 40°C erwärmte Kürbissuppe knüpft an das Gefühl einer warmen Mahlzeit an.

Tipp: Besonders im Winter wenig Südfrüchte und Trockenobst essen, denn beides hat eine kühlende Wirkung. Bereits 50 Gramm Vogelmiere entsprechen in etwa dem Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen, noch besser sind frische Hagebutten und Sanddornbeeren.

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Mehr als Essen: Über den Speiseplan hinaus können Sie sich mit weiteren Maßnahmen nachhaltig wärmen: barfuß durch den Schnee laufen, kalt duschen, regelmäßig und ausreichend schlafen, am besten bei geöffnetem Fenster, bewusst essen, viel kauen und täglich Sport treiben, am besten an frischer Winterluft.

Seelennahrung zuführen: Es ist aber vor allem das Verlangen nach Geborgenheit, weshalb wir an kalten Tagen warme Speisen vorziehen. Statt auf die Ersatzbefriedigung sollten Sie besser auf das Seelennahrungs-Original setzen: Liebe leben, Freundschaften pflegen, sich Zeit für die Familie nehmen, Ruhe genießen, Spaziergänge in der Natur machen, tanzen, lesen, Kunst und Musik gestalten.

Mark Weiland


1 =Adenosintriphosphat, ein biochemischer Energiespeicher
2 Wildkräuterwanderungen gibt es im Winter von Heidemarie Fritzsche und Mark Weiland
3 Bei den rund 25.000 Moos-Arten wurden bisher noch keine giftigen entdeckt.
4 Körperfett wird nicht aus dem Fett in der Nahrung aufgebaut, sondern aus Kohlenhydraten.