Morgenstund’ hat Wildnis im Mund

WildkräuterfrühstückWildkräuter – frei wachsende Pflanzen auf Wiesen und in Wäldern – sind reich an Vitaminen, Mineralien, Eiweiß und ­damit pralle Lebensenergie. Sie schmecken intensiver als gezüchtete Sorten, und viele empfinden sie als Turbo-Booster für die Gesundheit. Mark Weiland isst sich seit zwei Jahren durch die Vielfalt der Natur und lädt zwei Mal die Woche zum freien “Äsen“ in der Berliner City ein.

Berlin, Dienstagmorgen um 7 Uhr 30. Im Schlosspark Charlottenburg ist soeben die Sonne aufgegangen, der herbstliche Nebel verhüllt Schloss und Natur. Während sich im Sommer noch Radfahrer und Jogger auf den Parkwegen tummelten, verirren sich jetzt im Spätherbst nur noch wenige Frühaufsteher in den kalten Morgen. Wer jedoch am Belvedere innehält, einem kleinen Rokoko-Pavillon, wird dienstags und donnerstags um halb acht am Morgen eine kleine, höchst sonderliche Gruppe beobachten können. Sie pflücken und verspeisen ungewaschene Kräuter von der Wiese, essen Blätter von den Bäumen und scheuen sogar vor „giftigen“ Eibenfrüchten nicht zurück. To029desmutige Ökos? Verzweifelte Hartz IVler? Eine Unkräuter-Sekte?
Die Lösung ist ganz einfach: Es ist das Wildkräuterfrühstück, das im Mai 2011 von mir ins Leben gerufen wurde. Vor rund fünf Jahren bin ich über den Gesundheitspapst Franz Konz auf die Wildkräuter aufmerksam geworden, obwohl auch der Ernährungsforscher Walter Sommer – über dessen Werk „Das  Urgesetz der natürlichen Ernährung“ ich im Alter von fünfzehneinhalb zur Rohkost gefunden habe – schon viel darüber geschrieben hatte. Aber das war mir damals nicht so bewusst. Letztlich bin ich über Franz Konz wieder darauf aufmerksam geworden, dass man Wildkräuter roh essen kann und sie sehr wichtig für die menschliche Ernährung, für den Säure-Basen-Haushalt, die Zahngesundheit usw. sind, besonders in unseren Breitengraden.

„Äsen“ im Park

2014-05-20 08.23.11Auf einem Seminar von Franz Konz lernte ich die Kräuterexpertin Heidemarie Fritzsche aus Berlin kennen. Über anderthalb Jahre bin ich dann in Berlin-Buch bei ihren Kräuterwanderungen mitgegangen und habe sehr viel dabei gelernt. Aber es war mir irgendwann zu wenig, nur einmal im Monat ein paar Wildkräuter zu essen. Auf einer dieser Wanderungen lernte ich einen – mittlerweile – Freund kennen, der in meiner Nähe wohnte. Ich sagte zu ihm: „Lass uns doch einfach mal zusammen essen gehen – und zwar nicht in einem Restaurant oder Café, sondern einfach auf der Wiese draußen!“ Also gingen wir vor zweieinhalb Jahren im Frühjahr (März) durch den Schlosspark und hatten auf einmal den Geruch von wildem Bärlauch in der Nase – und haben uns gleich den Bauch mit diesem Frühlingskraut vollgeschlagen. Es war total lecker und kraftspendend. Dazu aßen wir Brennnesseln und alles, was es so im Frühjahr gibt. Aus dieser Idee heraus entstand das Wildkräuterfrühstück. Wir haben uns öfter zum „Äsen“ im Park getroffen, und ich dachte mir, dass es doch toll wäre, das zu verbreiten. Zuerst lud ich nur Freunde dazu ein, dann eröffnete ich eine Wildkräuterfrühstücks-Gruppe im Internet (facebook). Und zuletzt stellte ich dann auch eine eigene Seite www.wildkräuterfrühstück.de mit vielen Zusatzinformationen ins Netz.

DSC00311Das Schöne ist, dass eigentlich immer irgendwelche Kräuter da sind. Zu allen vier Jahreszeiten. Das hat bei mir dieses Gefühl von Naturverbundenheit und Urvertrauen über die Jahre hinweg ausgelöst. Ich weiß: Ich gehe hinaus und finde immer etwas zum Essen. Das ist eben Mutter Natur! Sie versorgt uns, wenn wir ihr vertrauen! Ganz ohne Mixer und Tropenfruchtversand…
Das Wildkräuterfrühstück ist auf jeden Fall ein guter Anfang für den vielzitierten Wandel. Und es kostet nichts. Viele sagen zwar: „Was nichts kostet, taugt auch nichts.“ – Aber in diesem Fall ist das mal umgekehrt. Du bekommst kostenlos das Allerbeste und Hochwertigste, was es auf der ganzen Welt zum Essen gibt! Und deshalb bekommst du durch so ein Leben auch dein „Urvertrauen“ und deine „Urverbundenheit“ zurück.

Urkost im urbanen Alltag

20140412_142202Das Wildkräuterfrühstück ist eine ideale Alternative zum gewohnten Gang vor der Arbeit in den Bäckerladen. Zum Sinn des Wildkräuterfrühstücks erkläre ich immer zu Beginn: „Es ist keine Wildkräuterwanderung, auf der man 30-40 Pflanzen kennen lernt, deren Gehalt an Vitamin C und Eisen erfährt oder die beste Möglichkeit, sie in Tees und Suppen kaputtzukochen. Das Wildkräuterfrühstück ist nichts weiter als eine praktische Übung, die Urkost in den urbanen Alltag zu integrieren.“ Und das geht so: Man nehme sich etwas Obst für den Geschmacksmix mit – reif und Bio versteht sich – schwingt sich aufs Rad oder steigt ins Auto/in die Bahn und kommt zum Treffpunkt.

Es wird nur gegessen, was nicht giftig ist, und ein paar Erklärungen und Tipps gibt es auch: zum Beispiel über den Verzehr der Brennnessel, ohne sich zu verbrennen, oder welche Wurzeln oder was sonst besonders im Winter sehr lecker ist. Aber es geht auch darum, mit naturverbundenen Menschen gemeinsam „ins Gras zu beißen“.

Auch wandelt sich bei dem einen oder anderen Hobbygärtner, der zufällig vorbeikommt und Brennesselerstaunte Fragen stellt, das Feindbild Giersch, Brennessel und Vogelmiere zum „Freundbild“. Doch es gibt auch Warnungen von außen, dass man die Eiben nicht essen dürfe, weil sie giftig sind. Da tut Aufklärung Not, und so erkläre ich, dass es zwar richtig sei, was man über die Eiben sagt, doch wenn man den Kern unzerkaut wieder ausspuckt, sich auch nicht an Eibenblättern oder Eibenrinde vergeht, wird man für dieses „Geheimwissen“ mit dem köstlichen Fruchtfleisch der Eiben belohnt.

Fuchs- und Hundebandwurm lassen mich völlig kalt, denn für dessen gesundheitsschädliche Wirkung fehlen die wissenschaftlichen Beweise, vor allem, wenn wir mit einer basischen Nahrung ein Milieu schaffen, das diese Parasiten ohnehin verschmähen. Und die Hinterlassenschaften der Hunde werden vom Regen weggespült oder „verwachsen“ sich. Gesundheit kann so einfach sein, wenn man lernt, keine Angst mehr vor der Natur zu haben.

Mehr als ein alternatives Frühstück

P1080639Das Wildkräuterfrühstück ist aber mehr als nur ein alternatives Frühstück. Wer regelmäßig kommt, lernt die Pflanzen besser kennen, erlebt den Wechsel der Jahreszeiten, das ewige Stirb und Werde in der Natur. Auch der behutsame und respektvolle Umgang mit den Pflanzen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Ich sehe in den Pflanzen keine bloßen Behältnisse biochemischer Nährstoffe, sondern Lebewesen und Persönlichkeiten, die es uns sogar mit einem üppigeren Wuchs an Blättern und Stengeln danken, wenn wir nur einige Blätter essen statt sie mit Stumpf, Stiel und Wurzel auszureißen. Wer ein Wildkräuterfrühstück miterlebt, erhält mit jedem Biss ein Stück Naturverbundenheit zurück. Denn Naturverbundenheit gibt’s nicht im Bioladen, wohl aber in der Natur selbst.

Letztlich lässt sich Urbanität mit der ­natürlichen Lebensweise leider nur unzureichend vereinen. Mein Herzenswunsch ist es darum, ein schönes großes Grundstück mit einem Hektar Land zu haben und selbst zu bestimmen, was ich da mache und anpflanze. Mit einer Quelle, einem Brunnen, vielleicht mit einem See in der Nähe. Und dann hundertprozentige Selbstversorgung. Wir haben hier in Europa ja eine Jahrtausende alte Gartenkultur. Unsere europäischen Vorfahren oder die Alteuropäer – Tacitus und Cäsar haben sie Germanen genannt – haben laut Walter Sommer vegetarisch gelebt. Sie hatten Gärten, in denen sie ihre Nahrung selbst angebaut haben. Dort gab es gemeinschaftlich genutzte Flächen, sogenannte Almenden, wo es ein Bodennutzrecht gab. Die Möglichkeit, Land zu besitzen, gab es gar nicht, bis das „Römische Recht“ eingeführt wurde. Seitdem gilt das Bodenbesitzrecht.

Wir dürfen zwar einen Schrebergarten haben, aber auch da gibt es eine maximale Begrenzung. Die erlaubte Fläche reicht nicht aus, Selbstversorgung zu betreiben. Außerdem kommen die hohen Pachten dazu und sehr hohe Ablösesummen, wenn man ein Grundstück übernimmt. Trotzdem: Wenn auch nur Schritt für Schritt, ein „Zurück zur Natur“ mit Wildkräuterfrühstück oder eigenem Garten ist machbar. Oder noch besser: Vorwärts zur Natur!

Mark Weiland

Mehr Informationen zum Wildkräuterfrühstück gibt es auf www.wildkraeuterfruehstueck.de.

Sammelkalender für Wildkräuter und Beerenfrüchte u. a.

Quelle: Dr. med. Christian Guth und Burkhard Hickisch: “Grüne Smoothies”, Gräfe und Unzer Verlag GmbH, München, 2012
Bei all diesen Pflanzen können junge Triebe, Blätter und Früchte während der ganzen Wachstumsperiode verzehrt werden.

 

Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember
Ackerhellerkraut
Ackerschachtelhalm
Ackerwinde
Ahorn
Baldrian
Barbarakraut
Bärlauch
Basilikum
Batavia
Beifuß
Beinwell
Birke
Birne (Frucht)
Brennnessel
Brombeere (Frucht)
Brunnenkresse
Buche
Distel
Douglasie
Eberesche
Ehrenpreis
Eichblattsalat
Eiche
Elsbeere
Erdbeere (Frucht)
Esche
Esskastanie
Feldsalat
Fenchel (Blätter)
Fetthenne
Fichte
Franzosen kraut
Frauenmantel
Friseesalat
Frühlingszwiebel
Fünffingerkraut
Gänseblümchen
Gänsefingerkraut
Giersch
Gundelrebe
Gundermann
Günsel
Guter Heinrich
Habichtskraut
Haselnuss
Heckenrose
Heidelbeere (Frucht)
Heublume
Himbeere (Frucht)
Hirtentäschel
Holunder (Blüten)
Hopfen
Huflattich (Blätter)
Huflattich (Blüte)
Johannisbeere (Frucht)
Johanniskraut
Kamille (Blüte)
Kiefer
Kirsche (Frucht)
Klatschmohn
Klee
Klettenlabkraut
Knoblauchsrauke
Knöterich
Kohlrabiblätter
Königskerze
Kopfsalat
Kornblume (Blüte)
Kürbisblätter
Lärche \
Lauch
Lavendel
Linde
Linde (Btüte)
Litschi
Löwenzahn
Lungenkraut
Luzemte
Mädesüß
Majoran
Malve (Blüte)
Manderine
Mango
Mangold
Margerite (Blüte)
Melde
Melone
Minze
Mirabelle/Reneklode
Mispel (Frucht)
Mizuna
Möhrengrün
Moosbeere
Nachtkerze
Natternkopf (Blüte)
Nelkenwurz
Oderrnennig
Orange
Oregano
Pappel
Petersilie
Pfefferminze
Pfennigkraut
Pfirsich/Nektarine
Pflaume/Zwetschge
Physalis
Postelein/
Winterportulak
Preiselbeere (Frucht)
Primel
Radicchio
Radieschtengrün
Rettich
Ringelblume (Blüte)
Rohrkolben
Romanasalat
Römersalat
Rose
Rosenkohl
Rosmarin
Rote-Bete-Blätter
Salbei
Sanddorn (Blätter)
Sauerampfer
Schafgarbe
Scharbockskraut
Schlehe (Blätter und
Früchte)
Schlüsselblume (Blüte)
Schnittlauch
Senf
Spinat
Spitzkohl
Springkraut
Stachelbeere (Frucht)
Staudenselerie
Stiefmütterchen
Storchenschnabel
Tanne
Taubnessel
Tausendgüldenkraut
Tellerkraut
Thymian
Ulme
Veilchen (Blüte)
Vergissmeinnicht (Blüte)
Vogelmiere
Waldmeister
Walnuss (Blätter)
Wasserlinse
Wassermelone
Wegerich
Wegwarte
Weide
Weidenröschen >
Weintrauben (Frucht)
Weisdorn (Beeren)
Weißer Gänsefuß
Wermut
Wicke
Wiesenkerbel
Wiesenschaumkraut
Wilde Möhre
Wirsingkohl
Witwenblume
Wollblume
Zeder
Zitronne
Zitronenmelisse
Zucchini

 

 

 

Keine Angst vor dem Fuchsbandwurm!

Bei jeder meiner Kräuterwanderungen wird die Frage nach dem Fuchsbandwurm gestellt. Hier darf nach aktuellem Informationsstand Entwarnung gegeben werden.

 

„Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher, als sich durch den Verzehr von Waldbeeren mit dem Fuchsbandwurm zu infizieren“, so Professor Klaus Brehm, Biologe am Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Robert-Koch-Institut (www.rki.de). Die Krankheit, die unbehandelt zum Tod führen kann, sei zum Glück sehr selten. (…)

Entgegen hartnäckiger Gerüchte gibt es keine Hinweise auf die Übertragung durch den Verzehr von Wildpflanzen oder Waldbeeren. Auch besiedeln Füchse immer häufiger Städte und stadtnahe Gebiete. Über 1600 Füchse lebten schon 2006 in Berlin, fünfmal mehr als in den umliegenden Wäldern. Das Futter lockt: Mäuse, Ratten, Katzenfutter …

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Als größte Infektionsquelle für Fuchsbandwurminfektionen wird der enge Kontakt (Schmusen) mit Haustieren angesehen (Hunde oder Katzen, die Mäuse fressen). Die Gefährdung beschränkt sich in Deutschland vor allem auf den süddeutschen Raum einschließlich Hessen und dem südlichen Baden-Württemberg, besonders betroffen ist die die Schwäbische Alb. Weil es sich hier jedoch um reine Statistik handelt, habe ich einen erfahrenen Jäger befragt: Er würde Wildwechsel (sichtbar als Trampelspuren im Gras) meiden. Waschen kann Fuchsbandwurmeier zwar nicht zerstören, die Gefahr aber mindern.

Fazit: Ob Sie bodennah wachsende Wildkräuter von Wald und Wiese roh zu Wilden Grünen Smoothies verarbeiten, müssen Sie selbst entscheiden. Das Risiko einer Fuchsbandwurm-Infektion ist statistisch sehr gering.”

Weitere Infos zum Fuchsbandwurm mit aktueller Statistik unter -> http://www.herbalista.eu/kann-ich-das-essen

Bezugsquellen von Wildkräutern

Hochgenuss LindenblätterWildkräuter sind in aller Munde – oder etwa noch nicht? Viel hört man immer wie toll und wichtig Wildkräuter für Gesundheit, Entgiftung, Wohlbefinden und den Mineralstoffhaushalt sind. Wo aber bekommt man sie her die grünen Helden der Wiese? Wenn man in der Großstadt wohnt, ist die Antwort auf diese Frage manchmal gar nicht so einfach. Hier ein paar Anregungen:

Sammeln

  • im Stadtpark
  • in Vorgärten
  • beim Nachbarn
  • auf verwilderten Grundstücken
  • in Kleingartenanlagen
  • im Stadtwald
  • auf Friedhöfen

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Lernen

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Kaufen

  • auf Wochenmärkten
  • in eingen Bioläden
  • in türkischen Lebensmittelläden
  • bei Wildkräuterversendern:

Weitere Möglichkeiten

  • bei Rohkostpotlucks

 

 

Warm, satt und glücklich: Rohkost im Winter

„Etwas Warmes braucht der Mensch!“, sagt man. Doch Möhren, Äpfel und Salat? Das wärmt doch nicht und satt wird man davon wohl kaum. Erfriert man also mit Rohkost im Winter? Die Antwort ist einfach: nein. Denn die Temperatur des Essens hat rein gar nichts mit der Körpertemperatur zu tun. Allein die in der Nahrung enthaltene biochemische Energie wird über den Stoffwechsel in warme Hände und Füße umgewandelt. Ob diese Energie kalt oder warm zugeführt wird, spielt dabei keine Rolle. Die gespeicherte Sonnenenergie wird über die ATP1-Spaltung zu Körperwärme. Gekochtes, Milchprodukte, Getreide, Fleisch usw. im Körper zu verarbeiten, verbraucht sogar viel Energie. Denn es findet durch den Verzehr von erhitztem Eiweiß, ganz gleich, ob tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, eine Immunreaktion mit Anstieg der Körpertemperatur statt. Die durch das Erhitzen neu entstandenen und denaturierten Stoffe sind für diese Verdauungsleukozytose, also für die Vermehrung der weißen Blutkörperchen = Immunreaktion, verantwortlich. Denn auf diese neuen Substanzen im Essen hat sich das Immunsystem evolutionär nicht angepasst. Bei Rohkost tritt dieses Phänomen nicht auf. Wer also Gekochtes ist, muss um Energieverlust fürchten! So ist Rohkost im Winter eine wohltuende, energiespendende Angelegenheit.

Lebendiger Speiseplan

 

Als wärmendes Gemüse können Sie Wurzelgemüse wie Süßkartoffeln, Möhren, Sellerie, Rote Beete und Kohl essen. Blattgrün, wie Feldsalat, Spinat, besser noch: winterliche Wildkräuter2 wie Moose3, Winterportulak, Nelkenwurz, Vogelmiere, Gundermann, Klee, Süßgras, Brombeerblätter, Gold- und Taubnessel sättigen und liefern enorm viel Eiweiß und Mineralstoffe. Bewährt sind Salate mit zweierlei Gemüsen, solche, die über der Erde wachsen wie Blattgrün, Kohlrabi, Gurken usw. und „unterirdische“ Sorten wie Möhren, Sellerie und Topinambur.

Nüsse, über Nacht eingeweicht, sind sättigend und gehaltvoll (keine Angst: Fett macht nicht fett!4), dickflüssig gelöffelte grüne Smoothies mit Wildkräutern, Karottengrün, Spinat, Mangold und etwas Äpfel oder Birnen sind ein wunderbarer Alternativpudding.
Sprossen, Weizen-, Gersten- und Kamutgrassäfte sind die besten Energie- und Nährstofflieferanten. Sie sind pure Sonnenenergie und helfen, die süßen Gelüste abzulegen – und zwar ohne das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen.
Mit den wärmenden Gewürzen Zimt, Ingwer, Chili, Pfeffer, Muskatnuss, Vanille und Kardamon verzaubern Sie Ihre Salate, Smoothies und liebe Mitmenschen in der Winterzeit.

Fermentierte Lebensmittel wie veganer Nusskäse, Gedörrtes wie Rohkost-Brote und -Kräcker geben viel Wärme und vermindern Heißhunger auf Milchprodukte und Getreidegerichte. Eine auf 40°C erwärmte Kürbissuppe knüpft an das Gefühl einer warmen Mahlzeit an.

Tipp: Besonders im Winter wenig Südfrüchte und Trockenobst essen, denn beides hat eine kühlende Wirkung. Bereits 50 Gramm Vogelmiere entsprechen in etwa dem Vitamin-C-Bedarf eines Erwachsenen, noch besser sind frische Hagebutten und Sanddornbeeren.

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Mehr als Essen: Über den Speiseplan hinaus können Sie sich mit weiteren Maßnahmen nachhaltig wärmen: barfuß durch den Schnee laufen, kalt duschen, regelmäßig und ausreichend schlafen, am besten bei geöffnetem Fenster, bewusst essen, viel kauen und täglich Sport treiben, am besten an frischer Winterluft.

Seelennahrung zuführen: Es ist aber vor allem das Verlangen nach Geborgenheit, weshalb wir an kalten Tagen warme Speisen vorziehen. Statt auf die Ersatzbefriedigung sollten Sie besser auf das Seelennahrungs-Original setzen: Liebe leben, Freundschaften pflegen, sich Zeit für die Familie nehmen, Ruhe genießen, Spaziergänge in der Natur machen, tanzen, lesen, Kunst und Musik gestalten.

Mark Weiland


1 =Adenosintriphosphat, ein biochemischer Energiespeicher
2 Wildkräuterwanderungen gibt es im Winter von Heidemarie Fritzsche und Mark Weiland
3 Bei den rund 25.000 Moos-Arten wurden bisher noch keine giftigen entdeckt.
4 Körperfett wird nicht aus dem Fett in der Nahrung aufgebaut, sondern aus Kohlenhydraten.